Das Wort zum Dienstag

Glaubensfreiheit ist ein wichtiges Gut, niemandem sollte vorgeschrieben werden, wie er die Welt zu betrachen hat.

Dennoch finde ich es erschreckend, wenn Menschen völlig verklärt von einem selbst zusammen gestellten Glauben Dinge propagieren wie „Es braucht keine Medizin, jede Krankheit beginnt im Kopf und ist auch von dort aus zu heilen.“ oder „Welches Sternzeichen bist du?.. Ah ja, ganz typisch!“.

Ich bin bestimmt keine Anhängerin der Kirche, aber wäre es nicht sinnvoll, das Christentum mit modernen Inhalten zu füllen, damit nicht immer mehr religionsbedürftige Menschen sich von der Kirche abwenden, in der sie keinen Platz für sich sehen, um dann an noch größeren Schmarrn zu glauben?
Es ist ja schlimm genug, dass es soviele Menschen gibt, die religiösen Halt brauchen, aber kann man denen dann nicht einen an moderne Lebensweisen angelegten und humanistisch fundierten Halt anbieten?

Wenn ich es mir so recht überlege, soweit entwickelt sich die Kirche in absehbarer Zeit niemals. Was also tun? Wie wäre es mit mehr Ethik und Philosophie statt Religion in den Schulen? In einem angeblich säkularisierten Staat hat Religion ohnehin nichts in staatlichen Schulen verloren.
Vielleicht ein paar praktische Dinge dazu, etwas zum Anfassen. Die Welt kann auch ohne heilige Mysterien ein atemberaubend schöner Ort sein…
Vielleicht würden die Gehirne dann lernen, sich mehr mit Fragen von Moral und einer für Körper und Geist gesunden Lebensgestaltung zu beschäftigen, statt auf Weihrauch zu kommen und ihren Verstand im esoterischen Nirvana zu verlieren.

Homöopathie, Reiki, Wiedergeburt, Chakren, Dosha und Astrologie, irgendwie macht mich das alles traurig.

Wozu hat der gute Kant denn dann diese schönen Zeilen verfasst?

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“


3 Antworten auf „Das Wort zum Dienstag“


  1. 1 Kevin 22. Juni 2010 um 21:55 Uhr

    Ja Philosophie wäre einem angeblich weltlichem Staat würdig. Doch auch gerade wegen der großen Päsenz des Islams ist für mich ein Religionskunderunterricht unvermeidbar. Eine Kirche nach der anderen wird geschlossen und die Moscheen bekommen immer mehr Zulauf. Und wir fürchten uns natürlich von diesen komischen leuten die ihre Religion noch ernst nehmen, zumindest halbwegs, statt nur zu Weihnachten in der Kiche zu erscheinen. Ich finde diese Entwicklung des Rückgangs der Kirchenbesuche nur positiv. Ich finde die Bibel sollte erst ab 16 freigegeben werden. Ich habe in keinen vergeleichsweise kranken Büchern gelesen…

  2. 2 CV 23. Juni 2010 um 10:04 Uhr

    -- Die Welt kann auch ohne hei­li­ge Mys­te­ri­en ein atem­be­rau­bend schö­ner Ort sein… --

    Allerdings. Anständige Mysterien lehren eigentlich im Kern auch nur, sich diesem atemberaubend Schönen zuzuwenden. ;-)

    Das sagt bspw. „mein“ verehrter Sokrates sogar selbst genau so: man solle sich dem Schönen und Guten zuwenden. :-)

    -- Viel­leicht wür­den die Ge­hir­ne dann ler­nen, sich mehr mit Fra­gen von Moral und einer für Kör­per und Geist ge­sun­den Le­bens­ge­stal­tung zu be­schäf­ti­gen, statt auf Weih­rauch zu kom­men und ihren Ver­stand im eso­te­ri­schen Nir­va­na zu ver­lie­ren. --

    In gesunden Religionen wird auch gelehrt das alles Leben eins ist und man es deshalb schützen und verehren soll (schliesslich ist man selbst ein Teil davon und alles ist ein Teil vom „Leben“). Daraus KANN sich eine mindestens eben so hohe moralische (und auch bodenständige) Lebensgestaltung ableiten wie sie sich über den Weg der reinen Vernuft auch ableiten kann. :-)

    -- Ho­möo­pa­thie, Reiki, Wie­der­ge­burt, Cha­kren, Dosha und As­tro­lo­gie, ir­gend­wie macht mich das alles trau­rig. --

    Ach was, traurig sein ist was für Sauertöpfe und ungesund ist es noch dazu! ;-)

    (Das „Glücklich sein“ gesundheitlich förderlicher ist als Traurig sein glaubst Du mir ja vielleicht :-) )

    Zur Wiedergeburt noch was. Bevor ich mir von Kant den Verstand verwirren lasse ( ;-) ) lese ich lieber was bodenständigeres und nachvollziehbares:

    http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=2459&kapitel=80&cHash=a86ab6aa2aphaidon1#gb_found

  3. 3 pepperann 23. Juni 2010 um 23:20 Uhr

    Pfff.. von Kant den Verstand verwirren lassen… es ist höchstens ziemlich mühselig seine Texte zu lesen. ^^

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