Ist der Islam Teil der deutschen Kultur oder nicht?

Dein Christus ein Jude
Dein Auto ein Japaner
Deine Pizza italienisch
Deine Demokratie griechisch
Dein Kaffee brasilianisch
Dein Urlaub türkisch
Deine Zahlen arabisch
Deine Schrift lateinisch
Und dein Nachbar nur ein Ausländer

Da hat unser neuer Bundespräsident etwas Schönes gesagt, nämlich, dass der Islam mittlerweile Teil unserer Kultur sei und schon kommen die Unkenrufe aus den eigenen Reihen.

Eigentlich dachte ich, wir hätten in Deutschland Religionsfreiheit und außerdem einen (angeblich) säkularisierten Staat? Also verstehe ich die Frage von Seiten der Politiker nicht. Wenn die Religion also nicht von der Politik geregelt wird und der Deutsche in der Wahl seines Glaubens frei ist, kann dann nicht auch der Islam zu unserer Kultur gehören? Ist Kultur doch ohnehin etwas, das sich entwickelt und stetig verändert.
Wie kann da das Argument gelten, dass wir eine christlich-jüdische Tradition hätten?

Zunächst einmal muss man sich betrachten, woher diese Argumentation in dem Fall kommt: Aus der CDU.
Na gut, zum einen bedeutet „konservativ“ ja, dass man keine großen Veränderung wünscht, zum anderen scheint damit einherzugehen, dass man sich die Gegenwart so zurechtredet, wie man sie gerne hätte, nämlich in der Tradition einer gewünschten Vergangenheit.

„Christlich-jüdisch“ ist also unsere Kultur, da frage ich mich, wo bleiben alle anderen Religionen die es, neben dem Islam, der ja nicht dazu gehören soll, in Deutschland gibt. Gehören die auch nicht dazu? Hat nur der Anteil an der deutschen Kultur, der Christ oder Jude ist?
Überhaupt, wo bleiben all die, die keiner Konfession angehören und wo bitteschön, bleiben die Atheisten und Agnostiker?
Wir haben eine deutschen Kultur, aber unser Glaube gehört nicht dazu? Hier ein kleiner Überblick über die Zahlen auf Wikipedia: Link.

Ein Großteil der Deutschen glaubt also nicht deutsch.

Was ist denn das überhaupt, „deutsche Kultur“? Unsere Sprache, unsere Gesetze, gewisse Verhaltensregeln? Das Oktoberfest??
Und muss ich jetzt auch jeden Sonntag in die Kirche? Nie wieder Döner? Wie steht’s mit Pizza oder darf ich als geborene Deutsche ab sofort nur noch Sauerkraut essen (welches übrigens keine deutsche Erfindung ist)?

Liebe CDU, kann es sein, dass es einfach nur darum geht, dass wir Urdeutsche, wir Einheitsdeutsche, die wir von Norden bis Süden die gleiche Kultur pflegen, unsere muslimischen Mitbürger gerne verleugnen würden? Nicht deutsch genug die Kinners, nein die wollen wir nicht!

Deutschland ist schön, den meisten Leuten geht es hier gut, niemand muss verhungern, wir haben hier keinen Krieg und dürfen weitgehend sagen, was wir denken und tun, was wir wollen. All das hat sich unter dem Einfluss vieler anderer Kulturen entwickelt.
Warum sollten wir unsere Kultur, was auch immer sie genau sein mag, nun daran hindern, sich weiterzuentwickeln? Die Erweiterung um eine Religion tut niemandem weh und gefährdet unseren Staat doch nicht, denn Staat und Religion sind bei uns offiziell getrennt.
Integrationsprobleme und Terror haben mit der Akzeptanz dieser Religion erst mal überhaupt nichts zu tun, jede Religion, jede Glaubensrichtung kann potentiell in eine falsche Richtung leiten. Ob sie das tut hängt nicht zuletzt auch davon ab, ob ihre Anhänger in der Gesellschaft Akzeptanz oder Ablehnung erfahren.

Wer Angst vor Werteverlust und Terror hat, sollte Ethik statt Religion in den Schulen lehren. Damit können nämlich nicht nur Muslime, sondern auch die urdeutschen Atheisten und Juden etwas anfangen.


11 Antworten auf „Ist der Islam Teil der deutschen Kultur oder nicht?“


  1. 1 Marti 06. Oktober 2010 um 15:43 Uhr

    Der Islam ist nicht nur eine „Religion“, sondern der Islam war von Anfang an mehr als nur eine Religion im westlichen Sinne, er war von Anfang an genauso auch ein politisches System. Mohammed war genauso Politiker, Staatsmann, Gesetzgeber und Kriegsherr, wie er „Prophet“ war.

    Wer immer noch meint der Islam sei lediglich eine weiere Religion, hat nichts kapiert!

    Statt Seifenlasen zu machen, sollte man lieber mal anfangen seinen Verstand zu gebrauchen und Begriffe zu hinterfragen, vor allem den Begriff „Religion“!

  2. 2 pepperann 06. Oktober 2010 um 16:23 Uhr

    Achso, die christliche Kirche hat nie Politik betrieben oder Kriege geführt, das Kastensystem in Indien hat nichts mit Religion zu tun und natürlich muss Religion im Falle des Islams zwingend mit Politik verknüpft sein?
    Wie eine Religion ausgelegt wird, verbleibt letztlich doch beim Einzelnen.

    Ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die hier einige Dinge nicht hinterfragt.

  3. 3 noligion 06. Oktober 2010 um 17:44 Uhr

    Der Islam ist nicht nur eine „Religion“, sondern der Islam war von Anfang an mehr als nur eine Religion im westlichen Sinne, er war von Anfang an genauso auch ein politisches System.

    Wie Christentum, Judentum, Hinduismus, Buddhismus usw. auch.

    Mohammed war genauso Politiker, Staatsmann, Gesetzgeber und Kriegsherr

    Wie die christlichen Päpste, Moses, David, der Dalai Lama usw. auch.

    Es gibt in dieser Hinsicht keinen Unterschied zwischen Islam und anderen Religionen. Und die Unterschiede zwischen den auf dem Judentum basierenden Religionen sind eh grundsätzlich vernachlässigbar.

  4. 4 Marti 06. Oktober 2010 um 19:10 Uhr

    „Wie eine Religion ausgelegt wird, verbleibt letztlich doch beim Einzelnen.“

    Frag mal eine 13-jährige zwangsverheiratete Muslimin, wie sie die Ehevormundschaft mit der Berechtigung zum Zwang (wilayat al-idschbar fi-n-nikah auslegt?

    Einfach mal nach „wali mudschbir“ googeln! Oder sich mal informieren, wie man das mit dem Todesurteil für Apostasie anders auslegt, wenn es einen selbst betrifft oder mit der Steinigung für Unzucht (zina)?

    Lieber wie die anderen Multikultiträumer bei Blümchen und Seifenblasen bleiben, da ist dann die Welt noch in Ordnung und immer ganz schnell Nazi, Rassist und Islamophobiker schreien und ja nicht das pöhse Buch von Sarrazin lesen oder das von Kirsten Heisig, das zerstört ja womöglich die Friede-Freude-Eierkuchen-Multikulti-wir-haben-uns-alle-lieb-Ideologie!

  5. 5 Marti 06. Oktober 2010 um 19:18 Uhr

    @ noligion

    Klar immer alles schön in eine Topf werfen und ja nicht differenzieren, dann kriegt man das Ding schon geschaukelt!

    Ein Tipp: einfach mal die Biographie von Buddha, der als Königssohn zum asketischen Mönch wurde oder die von Jesus, der gesagt hat, „mein Reich ist nicht von dieser Welt“ und sich ohne Widerstand hat festnehmen und kreuzigen lassen mit der Biographie Mohammeds vergleichen, der sich zum Gewaltherrscher aufgeschwungen hat, die arabische Halbinsel durch Krieg zwangsbekehrt hat und das altarabische Heidentum ausgerottet hat, vergleichen, vielleicht hilfts ja.

  6. 6 pepperann 06. Oktober 2010 um 19:35 Uhr

    @ Marti:
    Ganz so leicht ist es nicht. Wenn du Christentum und Islam so gegenüberstellst, dann nimmst du das Christentum in einem der aufgeklärteren Land und den Islam in einem der, ich sag jetzt mal salopp „hinterwäldlerischen“ Länder.
    Du kannst jetzt sagen, dass der Islam nicht einfach daraus herauszulösen ist, aber ich denke es kommt sehr wohl darauf an, in welchen Rahmen man eine Religion betrachtet.
    Wenn du ein bißchen stöberst wirst du menschenverachtende Bräuche und Gesetze in Zusammenhang mit jeder Religion finden. (Ich spreche übrigens von Muslimen in Deutschland, denn darum geht es in meinem Text.)

    Jesus ist natürlich ein schönes Beispiel. Genau das meinte ich, Religionen sind von Natur aus widersprüchlich, man kann sich irgendwo das herauspicken, was man mag. Aber das Christentum ist nicht Jesus, lies einmal etwas weiter vorne in der Bibel und schau dir die Geschichte des Christentums an. Und sieh nach, wer dort das Heidentum ausgerottet und zwangsbekehrt hat und wie es dort mit der Zwangsheirat aussah. Du wirst feststellen, dass die Unterschiede plötzlich weniger groß werden.

    Und Marti: Du bist willkommen, deine Meinung zu vertreten, aber ich würde dich bitten, das in Zukunft in einem etwas sachlicheren und weniger angreifendenTon zu tun, sonst kannst du dir das Tippen sparen.

  7. 7 noligion 06. Oktober 2010 um 23:35 Uhr

    Der Quatsch von Marti ist einfach 1:1 die antisemitische Propaganda aus den 20ern und der NS-Zeit auf den Islam übertragen. Damals wurde die angebliche Bosheit der Juden durch Verweise auf die Brutalitäten im Alten Testament „belegt“. Das Muster ist das gleiche, und war für denkende Menschen schon immer nur lächerlich. Das Verhalten und die Einstellungen real existierender Juden und Muslime wird keineswegs durch Koran oder Bibelverse determiniert. Juden und Muslime sind nicht einfach identische Exemplare einer Gattung, die durch einen geheimen Plan ferngesteuert an der Weltherrschaft basteln. Auch ist kein Jude oder Moslem für die Schlächterein Moses, Davids oder Mohammeds verantwortlich.

  8. 8 Marti 07. Oktober 2010 um 13:13 Uhr

    @ noligion

    Orthodoxer Islam vermittelt ganz bestimmte Verhaltensnormen, die durch bestimmte Begriffe und Sichtweisen gekennzeichnet sind und die biblischer Ethik diamentral widersprechen.

    In der Bibel sind gut und böse zentrale ethische Begriffe, dem Menschen wird zugestanden, dass er, weil er von Baum der Erkenntnis gegessen hat, „wurde wie Gott“ und deshalb gut und böse unterscheiden kann.

    Dazu kommen noch göttliche Gebote und Prinzipien wie „an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“.

    Vor allem das Neue Testament lehrt eine Ethik die die relativ starren Gebote des Alten Testaments stark transformiert und relativiert, der klassische Figur dazu ist „…steht geschrieben, ich aber sage euch…“

    Das Judentum kennt eine Transformierung der alttestamentlichen Gebote durch rabbinischen Diskurs, die klassische talmudische Figur dafür ist „Rabbi X sagt so, Rabbi Y dagegen sagt anders“.

    Orthodoxer Islam verneint eine menschliche Erkenntnisfähigkeit! Jede Verhaltensnorm muss durch starre Regeln (usul al-fiqh) aus Offenbarung (wahy), das heißt Koran und Hadith, hergeleitet werden. Der Koran ist, wo immer möglich, wörtlich zu nehmen.

    Deshalb sind diese Normen nicht hinterfragbar, weil es keinen menschlichen Maßstab gibt, mit dem man hinterfragen könnte. Eine historische Richtung im Islam, die Mu‘tazila, die solch einen Maßstab entwickelt hat, nämlich den der „Gerechtigkeit Gottes“, wurde von der Orthodoxie aktiv ausgerottet.

    Wenn Mohammed eine sechs oder siebenjährige heiratet und Sex mit ihr hat, als sie neun ist, kann man das nicht kritisieren oder hinterfragen, weil alles Handeln Mohammeds göttlich legitimiert ist und der Mensch keine Erkenntnisfähigkeit hat.

    Einziger verfügbarer Maßstab sind Koran und das Handeln Mohammeds (überliefert im Hadith).

    Natürlich sind auch andere Islamformen möglich, dummerweise aber ist islamische Orthodoxie wie sie etwa im Sunnitentum oder auch im Schiitentum à la Khomeini oder in der Ibadiyya vorliegt, wesentlich durchsetzugsfähiger, weil extrem militant.

    Weil Intoleranz und Gewaltanwendung gegen Abweichler integraler Teil des orthodoxen Systems simd, ist es auch kaum zu besiegen.

    Was heute als „Islamismus“ oder „islamischer Fundamentalismus“ beschrieben wird, ist nicht anderes als das klassische orthodoxe System.

    Nach diesem System haben beispielsweise Nichtmuslime erst mal kein Lebensrecht. Sie können als Harbis jederzeit sünd- und straflos getötet werden. Juden und Christen können sich als Dhimmis jeweils für ein Jahr ein Lebensrecht als Bürger zweiter Klasse erkaufen, Atheisten, Dualisten oder Polytheisten können das nicht.

    Orthodoxer Islam ist eine genauso menschenverachtende Weltanschauung wie Kommunismus und Nationalsozialismus und sollte genauso wie diese behandelt werden. Dass orthodoxer Islam gleichzeitig auch noch ein religiöses System ist, macht die Sache nicht besser sondern schlimmer.

    Der Vergelich mit den Judentum hinkt, weil das Judentum substantiell anders als der Islam ist. Nur weil man beide, Islam und Judentum, in die geiche Schublade „Religion“ packt, werden sie deshalb noch lange nicht gleichwartig!

  9. 9 Carina 08. Oktober 2010 um 15:30 Uhr
  10. 10 pepperann 08. Oktober 2010 um 15:42 Uhr

    @ Carina: Interessanter Artikel. Der Autor hat vielleicht nicht ganz Unrecht.

  11. 11 Kulturromantiker 06. November 2010 um 15:10 Uhr

    Guter Artikel, so sehe ich das auch.

    Immer wieder traurig, wenn zu Wahlkampfzwecken Konflikte heraufbeschwört werden, die eigentlich gar keine sein müssten. Man muss sich nicht versöhnen, wenn man sich nicht streitet.

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